Dörte Hansen: Altes Land

Unter den Millionen von Flüchtlingen die nach dem Zweiten Weltkrieg aus ihrer Heimat vertrieben wurden, ist auch die kleine Vera mit ihrer Mutter Hildegard von Kamcke. Nach wochenlanger Flucht werden sie im Hof von Ida Eckhoff im Alten land einquartiert. Willkommen sind sie dort nicht: „Von mi gift dat nix!“, erhält Hildegard zur Antwort, als sie um Essen für ihre fünfjährige Tochter bittet. Sie lässt sich nicht unterkriegen und heiratet später den traumatisierten Kriegsheimkehrer Karl, Idas Sohn. Im großen alten Gutshaus, in dem es immer kalt zu sein und das sein eigenes Leben zu haben scheint, kommt es ständig zu Reibereien mit der Schwiegermutter. Auch nach deren Tod kommt Hildegard nicht zur Ruhe und zieht weiter nach Hamburg. Ihre kleine Tochter lässt sie zurück. Vera lebt fortan alleine mit Karl in dem Haus, in dem sie nichts verändern mag, bis 60 Jahre später ihre Nichte mit dem kleinen Leon vor der Tür steht, weil ihre Beziehung in die Brüche gegangen ist.
Dörte Hansen erzählt mit feinem Humor und Einfühlungsvermögen die Geschichte von Einheimischen und Zugezogenen, von vermeintlicher Landlust-Romantik und dem wirklichen Alltag auf dem Land. In kurzen Rückblenden erfährt man bruchstückhaft Veras Erlebnisse auf der Flucht, so dass man erst schmunzelt und es einem im nächsten Moment die Kehle zuschnürt. Ganz zu Recht steht dieser Roman seit Monaten auf der Bestsellerliste weit oben. Sie finden ihn im Regal unter „HANS“ (eine Leseempfehlung von Andrea Frankenberger).

Zuletzt aktualisiert: 13 Februar 2016
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