Tanja Kinkel: Schlaf der Vernunft

1967 – die 17jährige Martina nutzt mit ihrer Freundin auf einer Klassenfahrt nach Berlin die Gunst der Stunde, um den Besuch des Schahs am Schöneberger Rathaus mitzuverfolgen. Sie treffen auf einige Studenten und müssen kurz später miterleben, wie die Gruppe von „Jubelpersern“ angegriffen wird. Zu ihrem Entsetzen greift die Polizei nicht ein.

1998 – Angelika bekommt von einem Gefängnispfarrer die Mitteilung, dass ihre Mutter, Martina Müller, nach 20jähriger Haft entlassen werden soll. Auch der bei einem Attentat überlebende Sicherheitsbeamte, eine Politikerin, der Sohn des getöteten Fahrers und der Sohn des getöteten Staatssekretärs erhalten – aus verschiedenen Quellen – diese Nachricht. Sie geraten aus den unterschiedlichsten Gründen in Aufruhr, denn noch sind die Hintergründe der Tat nicht ganz geklärt.

Tanja Kinkel nähert sich auf zwei verschiedenen Zeitebenen den Hauptpersonen dieses Romans. Sie versucht herauszufinden, warum ein Teil einer Generation, die die Welt verändern wollte, sich derart radikalisierte und in den 70er und Anfang der 80er Jahre Angst und Schrecken im Land verbreitete.
Und sie fragt nach den Hinterbliebenen, die mit den Auswirkungen des (fiktiven) Attentats leben müssen. Da ist der ehemalige Sicherheitsbeamte Steffen Seidel, der einzige Überlebende, der sich seither fragt, ob er eine Mitschuld trägt. Er hat teilweise Gedächtnislücken. Da ist Alex Gschwindtner, der Sohn des getöteten Fahrers, der auf Rache sinnt. Da ist Renate Huber, die mit Martina Müller befreundet ist. Da ist Michael Werder, der Sohn des getöteten Staatssekretärs, der zum Zeitpunkt der Tat 17 Jahre alt und entsprechend aufmüpfig ist. Und dann ist da Angelika Limacher, die Tochter der Terroristin Martina Müller, die von ihrer Mutter im Alter von vier Jahren verlassen wurde, weil diese in den Untergrund ging. Sie alle müssen sich mit der Tatsache auseinandersetzen, dass die Person, die ihr Leben auf den Kopf gestellt hat, nach 20 Jahren frei kommt. (Eine Leseempfehlung von Andrea Frankenberger)

Zuletzt aktualisiert: 20 Februar 2016
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